Lymphödem – erkennen und behandeln

Kribbeln, ziehende Schmerzen, geschwollene Hand oder Arm. Die Schuhe passen nicht mehr richtig, die Hosenbeine sind zu eng geworden und wenn man den Finger in das geschwollene Gewebe drückt bleibt eine Delle zurück. Das sind Symptome, mit denen sich ein Lymphödem äußern kann.

In diesem Artikel finden Sie Hinweise, wie Sie die Symptome erkennen und lindern können, sowie nützliche Alltags- und Sport-Tipps:

  1. Wie entsteht ein Lymphödem?
  2. Wie wird ein Lymphödem behandelt?
    - Die Entstauungstherapie
    - Kompression
    - Hautpflege
    - Bewegung
  3. Tipps für den Alltag
     

Übungen zum Ausdrucken:
PDF: "Übungen zur Steigerung des Lymphflusses" (1 MB)




Wie entsteht ein Lymphödem?

Das Lymphsystem, bestehend aus Lymphgefäßen und Lymphknoten, durchzieht, ähnlich wie der Blutkreislauf, den ganzen Körper. Es ist ein wichtiger Teil des Abwehrsystems des Körpers und sorgt durch einen Abtransport von Abfallstoffen und Flüssigkeit aus dem Gewebe zusätzlich für einen geregelten Flüssigkeitsausgleich im Körper.

Am häufigsten treten Lymphödeme im Rahmen einer Krebserkrankung auf, wenn während einer Operation Lymphknoten entnommen wurden oder wenn wichtige Lymphabflussgebiete durch eine Bestrahlung oder den Tumor selbst geschädigt wurden. Die verbleibenden Lymphbahnen reichen nicht mehr aus, die Lymphflüssigkeit zurückzuleiten.

Es kommt zu einer Stauung im Gewebe. Diese Stauung nennt man Lymphödem. Ein typisches Beispiel ist das einseitige Anschwellen des Arms bei Brustkrebspatientinnen.




Wie wird ein Lymphödem behandelt?

Je früher ein Lymphödem behandelt wird, desto besser und einfacher ist die Behandlung. Zusätzlich kann man Spätfolgen verhindern, wie beispielsweise verhärtetes Gewebe und Hautveränderungen.

Das heißt konkret, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt, wenn

  • Sie erste Anzeichen eines Lymphödems verspüren oder
  • sich der Arm oder das Bein, welches sich in der Nähe des operierten oder bestrahlten Gebietes befindet, schwer anfühlt oder
  • der betreffende Arm oder das Bein sehr schnell ermüdet.

Der Arzt wird Ihnen die benötigten Therapien verordnen.

Die Entstauungstherapie

Bei einer Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe, einem Lymphödem, wird zunächst der Lymphabfluss manuell angeregt.

Dies geschieht während einer Lymphdrainage durch einen speziell ausgebildeten Physiotherapeuten.
Hier werden verschiedene Griffe und kreisende Bewegungen angewendet.

Kompression

Um die Entstauung, die durch die Lymphdrainage erreicht wurde zu erhalten, wird der betroffene Bereich mit Kompressionsverbänden unterstützt.

Der Druck, den der Verband von außen auf das Gewebe ausübt, unterstützt das Lymphsystem bei seiner Tätigkeit und sorgt für einen besseren Transport der Lymphflüssigkeit.

Die erste Phase der Therapie mit Lymphdrainage und Kompressionstherapie dauert durchschnittlich 3-6 Wochen.

Anschließend folgt eine Erhaltungstherapie.
Hierfür verordnet der behandelnde Arzt passformgerechte medizinische Kompressionsmaterialien, wie beispielsweise Kompressionsstrümpfe, -Armstulpen oder -Handschuhe.

Hautpflege

Das Lymphödem selbst, aber auch die manuelle Entstauung belastet Ihre Haut. Patienten haben oftmals Probleme mit trockener und juckender Haut. Auch die Infektions- und Wundrosengefahr (verursacht durch Bakterien) ist erhöht. Hier ist eine gute Hautpflege erforderlich.

Nutzen Sie bitte keine Seifen, sondern Waschlotionen mit einem pH-Wert von 4,5-5, um den Säureschutzmantel zu erhalten.

Cremen Sie sich täglich ein. Dazu können Sie feuchtigkeitsspendende, rückfettende und nicht parfümierte Cremes oder Lotionen/ Lipolotionen mit einem Zusatz von 5% Harnstoff nutzen.

  • Ceramide und Sheabutter erhöhen den Fettgehalt der Haut und unterstützen gemeinsam mit Harnstoff den Säureschutzmantel.
  • Harnstoff und Glycerol halten die Feuchtigkeit im Gewebe.
  • Die Grundlage sollte an die Beschaffenheit der Haut angepasst sein. Verwenden Sie für trockene Haut Cremes mit erhöhtem Fettgehalt oder Lipolotionen.
  • Nutzen Sie schnell einziehende, leichtere Cremes morgens und reichhaltigere am Abend.
  • Schenken Sie Hautfalten mit warmen, feuchten Milieu erhöhte Aufmerksamkeit. Hier ist eventuell eine Hautdesinfektion sinnvoll.

Das Eincremen regt den Lymphfluss an. Zusätzlich richten Sie vermehrt ein Augenmerk auf die betroffene Region und bemerken schneller Verschlechterungen des Ödems oder Veränderungen der Haut. So können Sie rasch reagieren und mit Ihren Arzt sprechen.

Bewegung

Studien haben gezeigt, dass Sportarten mit fließenden, harmonischen Bewegungen, bei denen möglichst viele Muskelgruppen mit einbezogen werden, den Lymphabfluss fördern. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Schwimmen und Aquafitness/ Wassergymnastik
  • Nordic Walking
  • Yoga und ChiGong
  • Tanzen
  • Spezieller Reha-Sport

Bei den Übungen ist darauf zu achten, dass der Puls maximal bis 140/min steigt. Höhere Anstrengungen mit mehr Bewegung führen zu einer vermehrten Produktion von Lymphflüssigkeit. Diese muss wiederum zum Ablaufen gebracht werden.

Auch gerade mit bandagiertem Arm oder Bein hilft angepasste Bewegung dem Lymphsystem- auch wenn sich die bandagierte Extremität noch schwerer bewegen lässt. Durch das Anspannen der Muskulatur erhöht sich der Widerstand gegen die Bandage. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung der Blutstromgeschwindigkeit und zu einem verbesserten lymphatischen Rückstrom.

Sie möchten gerne an einer Reha-Sportgruppe teilnehmen oder einmal „Schnuppern“, ob diese Art der Bewegung Ihnen guttut?

Melden Sie sich einfach bei Reha- oder Aquagymnastikgruppen in Ihrer Region. Hier, in Fürth melden Sie sich gerne bei unserer Kollegin Elke Baier. Sie leitet mit viel Engagement und Herzblut die Trotz-Krebs-Sportgruppen (Gymnastik/ Trampolin/ Entspannung, Nordic-Walking und Aquafitnesstraining) und freut sich über Ihren Anruf (vormittags zwischen 8:00 Uhr und 13:00 Uhr) unter 0911 7940980. 

Bewegungsübungen mit Elke Baier:
"ANREGUNG DES LYMPHFLUSSES"

Gemeinsam mit Elke Baier, unserer Übungsleiterin der Trotz-Krebs-Sportgruppe,  haben wir für Sie verschiedene
Übungen zusammengestellt, die Ihren Lymphfluss anregen sollen.
Sie benötigen hierfür keine weiteren Hilfsmittel.
Wir empfehlen Ihnen, diese Übungen täglich durchzuführen.

PDF zum Ausdrucken:

Download PDF "Übungen Lymphfluss" (1 MB)




Tipps für den Alltag

Zusätzlich haben wir Ihnen noch ein paar Tipps für Ihren Alltag zusammengestellt:

  • Tragen Sie keine übermäßig schweren Dinge mit dem betroffenen Arm, wie Ihren Wocheneinkauf. Nutzen Sie hierzu beispielsweise einen Trolley und versuchen Sie fließende Bewegung auszuführen
  • Vermeiden Sie monotone Tätigkeiten, wie beispielsweise Fließbandarbeit oder ganztägig sitzende oder stehende Arbeiten
  • Vermeiden Sie starke Hitze und Kälte. Nutzen Sie beispielsweise lieber die Dusche, als lange, heiße Vollbäder. Oder kühlen Sie die betroffene Stelle nicht mit Coolpacks
  • Vermeiden Sie Verletzungen. Denken Sie hier auch an eine sehr vorsichtige Nagel- und Hornhautpflege
  • Desinfizieren Sie auch ganz kleine Wunden
  • Vermeiden Sie Überkopfarbeit
  • Tragen Sie Arbeitshandschuhe – sowohl bei der Gartenarbeit, als auch bei Tätigkeiten im Haushalt
  • Bevorzugen Sie BHs mit breiten Trägern
  • Ihre Kleidung sollte Sie am Bund oder unter dem Arm nicht einengen
  • Tragen Sie keine Uhr oder Ringe an der operierten Seite
  • Messen Sie Ihren Blutdruck nicht am betroffenen Arm
  • Lassen Sie sich IMMER auf der nicht-operierten Seite impfen oder Blut abnehmen

Sie haben Fragen zum Thema Lymphödem und möchten sich gerne persönlich beraten lassen? Melden Sie sich gerne per E-Mail, Telefon oder Chat: Wir sind gerne für Sie da! 


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