In einigen Fällen ist die Brustkrebstherapie mit einer Mastektomie verbunden. Bei dieser wird die betroffene Brust inklusive Brustwarze weitestgehend entfernt. Eine Rekonstruktion der Brust ist im Anschluss mittels Implantate oder körpereigenen Gewebe oft möglich. Und auch die Brustwarzen lassen sich optisch wiederherstellen.

Der Tätowierer Andy Engel aus Marktsteft in Bayern hat sich mit seinem Unternehmen medbwk auf die professionelle Brustwarzenrekonstruktion spezialisiert. Durch eine fotorealistische 3-dimensional wirkende Tätowierung der Brustwarze und des Warzenvorhofes verhilft er Krebspatientinnen zu einem besseren Körpergefühl und mehr Wohlbefinden.

Im Interview mit unserer Patientenbetreuerin Patricia Maas berichtet Andy Engel unter anderem von den Herausforderungen bei dieser besonderen Tattooart und welche Motivation hinter seiner Arbeit steckt.

 

Ich hoffe, dass wir wieder ein Stück Lebensglück zurückgeben, sich die Frauen wieder „ganz“ fühlen und zu alter Freude zurückfinden können.

Andy Engel

 

Ich hoffe, dass wir wieder ein Stück Lebensglück zurückgeben, sich die Frauen wieder „ganz“ fühlen und zu alter Freude zurückfinden können.

Andy Engel

Interview mit Tätowierer Andy Engel

Ich freue mich sehr, dieses Interview heute mit Ihnen führen zu dürfen. Zunächst einmal die Frage: Wie kommt man als Tätowierer auf die Idee, fotorealistische Brustwarzen zu stechen?

Das fotorealistische Tätowieren mache ich schon länger. Mit den fotorealistischen Brustwarzen habe ich 2008 begonnen, also jetzt schon vor knapp 13 Jahren. Eine Kundin kam sehr unzufrieden nach ihren Behandlungen zu mir. Der Brustaufbau hatte zwar schon stattgefunden, aber es war eben keine Brustwarze vorhanden. Die Ursprungsidee für das Tätowieren der Brustwarzen kam eigentlich nicht von mir, sondern von ihr. Zu der Zeit habe ich gar nicht an so etwas gedacht.

Wie ging es dann weiter?

Ich muss ehrlich sein, dass ich das am Anfang erst einmal nicht machen wollte. Die Haut an der Brust war sehr mitgenommen und vernarbt und ich kannte mich auf medizinischer Ebene noch gar nicht richtig aus. Also habe ich mich mit einem Arzt kurzgeschlossen und mir Rat geholt. Nach langem Hin und Her habe ich dann doch meine erste Brustwarzen-Tätowierung gemacht. Die Kundin war von dem Ergebnis so begeistert, dass sie gleich den Bayrischen Rundfunk kontaktierte, um von meiner Arbeit zu berichten und Aufmerksamkeit dafür zu schaffen.

Auch der Arzt, der mich vorab beraten hatte – Dr. med. Andreas Cramer vom Uniklinikum Würzburg – hat mich ermutigt und gemeint, dass das so eine tolle Sache ist, an der wir auf jeden Fall dranbleiben müssen.

Das klingt wirklich positiv. Gab es aber auch Herausforderungen, vor denen Sie mit dem Beginn der Brustwarzenrekonstruktion standen?

Wir haben natürlich zunächst lernen müssen, was eine Chemotherapie genau bedeutet, wie sich die Haut verändern kann und vieles mehr. Ich bin zwar durch Betroffene in der Verwandtschaft schon mit dem Thema Krebs in Berührung gekommen, aber da geht man natürlich nicht so in die Tiefe. Nach und nach kamen immer mehr Partner dazu, unter anderem ein plastischer Chirurg, der uns erklärt hat, wie ein Brustaufbau mit oder ohne Brustwarze aussieht, ob über oder unter dem Muskel oder mit Eigenfett. Da gibt es so viele Varianten, die eintreten können. Dieses Wissen haben wir uns nach und nach erarbeitet, um die betroffenen Frauen glücklich zu machen und um auf alles vorbereitet zu sein. Ohne die Unterstützung unserer ganzen Partner hätten wir das alles nie schaffen können.

Man merkt wirklich sehr, wie Ihnen die Sicherheit und das rundum Versorgen Ihrer Kunden am Herzen liegt. Was treibt Sie dabei am meisten an?

Es gibt nichts Schöneres, als die Dankbarkeit und die Emotionen der Frauen zu sehen. Wenn sie zu Beginn hier ankommen, sind viele psychisch am Boden. Einige Betroffene trauen sich seit Ewigkeiten nicht mehr in den Spiegel zu sehen, manche ziehen sich nicht einmal mehr vor Ihrem Mann aus. Wenn man dann am Ende die Dankbarkeit und die pure Freude in den Augen sieht, macht das unendlich glücklich. Zu sehen, dass diese Frauen sich wieder „ganz“ fühlen und endlich mit diesem schweren Kapitel Ihres Lebens abschließen können, ist einfach schön.

Fotorealistische Brustwarzenrekonstruktion: Vorher- und Nachher-Bilder

Damit Sie sich die Arbeit von Andy Engel und seinem Team besser vorstellen können, haben wir hier eine Auswahl an Vorher- und Nachher-Bildern mit Brustwarzen-Tattoos für Sie zusammengestellt.

Bei Ihrer Arbeit tragen Sie eine große Verantwortung gegenüber Ihren Kundinnen. Wie gehen Sie damit um?

Das ist richtig und deswegen ist es uns auch so wichtig, dass wir eng mit Ärzten und Kliniken zusammenarbeiten. Wir suchen auch nur Leute, die ganz bei der Sache sind. Deswegen haben wir zusammen mit Dr. med. Andreas Cramer Schulungen für Fachpersonal und Tätowierer entwickelt. Wir haben genaue Arbeitsschritte aufgeschrieben, die wir weitergeben. Und um auch zu zeigen, dass wir wirklich ordentlich, hochwertig und absolut genau arbeiten, wird bei uns alles in Wort und Bild dokumentiert. Vom ersten Kundenkontakt bis zur Rechnung kann man alle unsere Schritte einsehen, welche Farben verwendet, welche Stechtechniken angewandt wurden und so weiter. Wir versuchen für die Ärzte und Krankenkassen möglichst transparent zu sein, und belegen dadurch, wie hochwertig unsere Arbeit ist.

Das ist bemerkenswert. Sie haben gerade die Farben erwähnt. Sind das besondere Farben?

Ja, ich habe die Farben nach und nach selbst entwickelt. Wir mischen die Farben für jeden Kunden individuell zusammen, um ein möglichst natürliches Ergebnis zu erhalten. Dafür füllen wir die Farben in so genannte Single Caps. Das ist normalerweise bei Tattoofarben nicht üblich. Somit sind die Farben einzeln sterilisiert, wir können sie besser kontrollieren und sie einfacher zusammenmischen. Für jeden Kunden wird dann ein spezielles Package zusammengestellt, mit eigenen Farben, speziellen Nadeln und sterilem Wasser.

Das Ganze wird dann am Ende nochmal fotografiert und der Kundenakte beigelegt, damit wir genau wissen, wer was und wann bekommen hat. Das hilft auch, falls wir im Nachgang noch einmal nachstechen müssen. So können wir alles kontrollieren und die richtigen Chargen den Kunden zuordnen.

Diese Packages stellen wir den Tätowierern kostenlos für die Kunden zur Verfügung. Ich möchte nicht, dass da gespart wird. Deswegen übernehmen wir die Kosten, damit es am Ende nicht an der Qualität mangelt. Das ist mir sehr wichtig. Dieses System hat sich bewährt und kommt auch unglaublich gut an.

Wenn ich mich jetzt entschließen würde, ein Brustwarzen-Tattoo stechen zu lassen, wie würde die Vorbereitung ablaufen?

Die Frauen kontaktieren uns meistens per Telefon oder Mail. Dann machen wir einen Termin für ein intensives Vorgespräch aus. Am liebsten mache ich das persönlich vor Ort. Dabei sehe ich den Kunden und kann mir schon ein erstes Bild machen. Ein Telefonat zum Kennenlernen ist natürlich aber auch kein Problem.

Was wird bei so einem Vorgespräch besprochen?

Das Vorgespräch macht es einfacher, Fragen zu klären, Unsicherheiten zu nehmen und auch ein wenig die Angst vor dem Tattoo selbst. Fast 90 Prozent der medBWK Patientinnen hatte nie etwas mit Tattoos am Hut oder sich erträumen lassen, dass sie je über ein Tattoo nachdenken müssten. Das ist oft Neuland für viele Patienten.

Außerdem besprechen wir genau, was möglich ist, wie das Gewebe die Farbe annehmen wird oder wie sich die Narben am besten überdecken lassen. Sichtbar bleiben Sie häufig trotzdem noch, das lässt sich oft leider nicht ändern. Aber wir können die Situation für die Frauen immer verbessern. Dabei ist es auch egal, ob die Brustwarze plastisch rekonstruiert wurde oder ob wir mit der optischen 3D Täuschung auf der glatten Brust arbeiten. Wir können in jeder Situation helfen.

Die Brust ist doch eine sehr empfindliche Stelle. Tut so eine Brustwarzen-Tätowierung denn arg weh?

Ich habe spezielle Stechtechniken entwickelt, die das Ganze schon angenehmer machen. Wenn die originale Brustwarze noch erhalten ist, kann es ein wenig mehr ziehen, als wenn da nur glattes Narbengewebe ist. Aber ich hatte jetzt noch keine einzige Kundin, die gesagt hätte, dass die Schmerzen so schlimm gewesen wären, dass Sie es nie wieder machen lassen würde. Manche sind sogar ein wenig froh, wenn es piekst oder zieht, weil sie dann ganz erstaunt und glücklich sind, dass sie überhaupt noch etwas spüren. Von daher hält sich der Schmerz in einem sehr erträglichen Rahmen und ich würde es schon fast als softe Tätowierung bezeichnen. Viele Kundinnen stellen es sich vorab schlimmer vor.

Wie lange dauert so eine Tätowierung zur Brustwarzenrekonstruktion?

Also alles in allem sind es circa 3 Stunden, die man einplanen muss. Da ist dann die Zeit des Besprechens und des Vorzeichnens sowie die Fotografie dabei. Das reine Stechen dauert nur etwa 30 Minuten bis eine Stunde, je nachdem wie das Gewebe ist oder ob wir eine oder zwei Brustseiten zu stechen haben.

Kommen wir noch zu einem wichtigen Punkt: Wer übernimmt die Kosten für solch eine Brustwarzenrekonstruktion?

Was die Kosten betrifft, bin ich wirklich stolz: Nach 13 Jahren haben wir es geschafft, dass circa 60 Prozent der Krankenkassen die vollen Kosten übernehmen. 20 Prozent der Kassen übernehmen immerhin einen Teil der anfallenden Kosten.

Auch das haben wir vielen Ärzten zu verdanken, die immer hinter uns standen und mit Ihrem guten Namen eingestanden sind, um die Krankenkassen zu überzeugen. Wir arbeiten weiterhin stetig dran, dass die Kostenübernahme auch von den letzten Krankenkassen anerkannt wird. Wir helfen auch vor Ort vor der Tätowierung dabei, einen Kostenvoranschlag für die Krankenkasse auszufüllen, um diesen dann so schnell wie möglich genehmigen zu lassen.

Und wie viel müssen Kundinnen bezahlen, deren Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen?

Für alle Selbstzahler liegt der Gesamtpreis bei 1660 Euro. Das hat damals die ärztliche Verrechnungsstelle so ausgerechnet und festgelegt. Dabei haben wir es auch belassen. Auch wenn der Fall eintreten sollte, dass die jeweilige Kasse nichts dazuzahlt und die Kosten von der Kundin nicht getragen werden können, haben wir bisher trotzdem immer einen Weg für die Umsetzung gefunden. Egal wie, wir helfen dabei, einen Weg für die Kostenübernahme zu finden und die Patientin glücklich und zufrieden zu machen.

Das finde ich sehr schön. Wie sieht es denn mit der Wundheilung im Anschluss an die Tätowierung aus?

Natürlich ist das Ergebnis gleich nach dem Stechen nicht das Endergebnis. Alles ist noch sehr gerötet und die Farben sind noch extrem intensiv. Das gibt sich aber nach ein paar Wochen.

Die erste Woche bekommen die Patienten eine Pflasterfolie über die tätowierte Stelle – vorausgesetzt, es besteht keine starke Pflasterallergie. Wenn das Tattoo dann von uns kontrolliert wird, waschen wir es noch einmal ab und trocknen es.  Wir sehen auch, ob es eventuell Stellen zum Nachstechen gibt. Wenn alles passt, kann man ansonsten pflegend mit einer Bepanthen Heilsalbe zur Wundheilung beitragen.

Was mich zuletzt noch interessiert: Wie lange hält denn so ein Brustwarzen-Tattoo?

Wenn sich nach 1,5 Jahren nichts geändert hat, dann bleibt das Tattoo normalerweise so erhalten. Aber für den Fall, dass es doch anders kommt, geben wir die Garantie, dass wir immer da sind.

Unsere Garantie für das Brustwarzen-Tattoo liegt bei drei Jahren. Bei normalen Tattoos geben wir nicht so eine lange Garantie, aber hier haben wir gesagt, wir möchten, dass sich die Kundinnen wohl und immer frei fühlen, zu uns zu kommen, wenn etwas sein sollte. Und wenn es die Haut braucht, dass wir fünfmal nachstechen, dann machen wir das für ein perfektes Ergebnis. In der Garantiezeit kommen auch keine weiteren Kosten hinzu.

Das finde ich den Kunden gegenüber sehr fair. Nun kommen wir schon zum Ende unseres Interviews. Für mich war es sehr spannend und informativ. Ich bin gespannt, was die nächsten Jahre in diesem Bereich noch bringen werden. Möchten Sie zum Abschluss noch etwas mit auf dem Weg geben?

Ja, ich hoffe, dass wir mit dieser Initiative wirklich wieder ein Stück Lebensglück zurückgeben, sich die Frauen wieder „ganz“ fühlen und zu alter Freude zurückfinden können. Die Brustwarzenrekonstruktion soll das Ende eines langen, steinigen Weges sein und dabei helfen, mit dem zweiten Leben zu beginnen.

Das sind großartige Worte und das hoffen wir natürlich auch sehr für alle Patientinnen. Vielen Dank für dieses Engagement und das Sie und Ihr Team mit Feuereifer und Herzblut dabei sind!

Über Andy Engel und die medbwk GmbH

Andy Engel zählt zu den weltbesten Tätowierern für Fotorealismus. Er legt besonders viel Wert auf Präzision und detailliertes Arbeiten.

2008 kam für den gebürtigen Bayer mit dem Thema der Brustwarzenrekonstruktion eine Herzensangelegenheit dazu.

10 Jahre später gründet Andy Engel mit Klaus Günter und Martin Siedler die medbwk GmbH.

Heute arbeitet die medbwk GbmH mit verschiedenen Kliniken und Krankenkassen zusammen, um Krebspatientinnen im Anschluss an die Behandlung wieder zu einem besseren Körpergefühl zu verhelfen. Das Unternehmen agiert mit speziell geschulten Tätowierern europaweit als Franchise-Gruppe an derzeit 20 Partner-Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 


Sie wollen noch mehr wissen? In diesem kurzen Video beschreiben zwei Frauen ihre Erfahrungen mit der Brustwarzenrekonstruktion.

Kontaktmöglichkeiten für ein Beratungsgespräch und weitere Informationen finden Sie auf der Website der medbwk.

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