Schlaflosigkeit – Ursachen, Symptome und Folgen

Etwa zwei Drittel aller Krebspatienten berichten von Ein- oder Durchschlafstörungen. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit, Leistungsschwäche, Gereiztheit und Konzentrationsschwierigkeiten. Auf lange Sicht können sogar eine Depression oder ein Fatigue-Syndrom entstehen. Der Grund kann in der Erkrankung selbst, den erhaltenen Zytostatika oder der zur Therapie eingesetzten Bestrahlung liegen. Weiterhin werden von Patienten häufig folgende Ursachen beschrieben:

  • Erhöhter Stress durch die veränderte Lebenssituation
  • Nächtliches Grübeln im Bett
  • Sorgen um Familie, finanzielle Situation
  • Schmerzen
  • Angst

Daneben können noch andere Erkrankungen oder bestimmte Medikamente, die Sie einnehmen, den Schlaf beeinflussen.

Welche Behandlungs­möglich­keiten gibt es?

Damit Sie auch langfristig wieder besser schlafen können, ist es wichtig, zielgerichtet die genauen Ursachen der Schlafstörungen zu bekämpfen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt

Sprechen Sie deshalb bitte auch mit Ihrem behandelnden Arzt über die Problematik. Je nach Schweregrad und Auslöser, kann Ihnen Ihr Arzt mit entsprechenden Medikamenten oder psychoonkologischer Betreuung weiterhelfen.

Manchmal tut es gut, sich einem neutralen Ansprechpartner anzuvertrauen, um auch über die psychischen Belastungen einer Krebserkrankung oder Chemotherapie zu sprechen. Hierfür stehen Ihnen speziell ausgebildete Psychotherapeuten (sog. Psychoonkologen) zur Verfügung, die die besondere Lebenssituation und die Ängste von Krebspatienten kennen.

Freiverkäufliche Schlafmittel

Als freiverkäufliche Schlafmittel stehen Ihnen u.a. pflanzliche Arzneimittel, sog. Phytopharmaka, zur Verfügung. Arzneipflanzen wie Baldrian, Lavendel, Passionsblume, Hopfen oder Melisse haben eine beruhigende und ein- und durchschlaffördernde Wirkung und sind dabei gut verträglich.
Zu beachten ist, dass sich die volle schlaffördernde Wirkung erst nach ca. 2 Wochen regelmäßiger Einnahme entfaltet.

Wichtig zu wissen!

Auch in Drogerien und Gesundheitsmärkten finden Sie häufig Produkte, die diese Arzneipflanzen enthalten. Leider sind diese oft zu niedrig dosiert und haben dann sogar einen gegenteiligen Effekt: sie können Unruhe und Nervosität hervorrufen.

Wir beraten Sie hierzu, aber auch zu anderen freiverkäuflichen oder rezeptpflichtigen Schlafmitteln, gerne persönlich und ausführlich. Nutzen Sie einfach den Chat, oder melden Sie sich per E-Mail oder Telefon bei uns. 

Weitere wirksame Behandlungsmöglichkeiten ohne Medikamente sind:


Autogenes Training (mit Übungs-PDF)

Eine Entspannungsmethode, die sich auf einzelne Körperregionen konzentriert.

Dabei beginnen Sie mit dem Arm und weiten die Grundübungen zu den Schlagwörtern „Schwere“ (Mein Arm ist angenehm schwer.) und „Wärme“ (Mein Arm ist angenehm warm.) auf Ihren Körper und Ihre Atmung aus (Meine Atmung ist ruhig und entspannt.). Diese Methode können Sie entweder zusammen mit einem erfahrenen Lehrer anwenden, oder Sie führen die Übungen selbst Zuhause durch.

Sie möchten direkt starten?
Wir haben für Sie ein Übungs-PDF zum Ausdrucken vorbereitet, das Ihnen den Start erleichtern soll. Wir wünschen entspannte Momente!

Anleitung zum autogenen Training (PDF)

Progressive Muskelentspannung

Eine leicht erlernbare Methode, bei der aktiv verschiedene Muskelgruppen zunächst angespannt und anschließend wieder entspannt werden.

Durch die Übungen nehmen Sie den Zustand der Entspannung stärker wahr und kommen besser zur Ruhe. Auch hier empfiehlt es sich zu Beginn mit einem erfahrenen Lehrer die Grundlagen zu trainieren.

Eine Videoanleitung finden Sie hier:
Progressive Muskelentspannung im Liegen - Anleitung zum Mitmachen (YouTube)

Lichttherapie

  • Abends eingesetzt reduziert sie das Schlafbedürfnis am frühen Abend und hilft gegen frühzeitiges Aufwachen.
  • Morgens angewendet bewirkt sie ein schnelleres Einschlafen am Abend.

30–60 Minuten pro Tag reichen bereits aus. Für die Lichttherapie werden spezielle Geräte mit einer Leuchtstärke von mind. 2.500 Lux verwendet.

Weiterführende Informationen und Geräte im Preisvergleich finden Sie beispielsweise hier:
www.lichttherapie-ratgeber.de/produkte/lichttherapiegeraete

Akupunktur

In einer Studie mit Krebspatienten wurde gezeigt, dass Akupunktur bei Schlafstörungen ebenso wirksam ist, wie eine Verhaltenstherapie beim Psychotherapeuten. Schlafdauer und vor allem die Schlafqualität wurden bei allen Teilnehmern verbessert.

So verbessern Sie Ihre Schlafqualität

Gesunder und erholsamer Schlaf hängt nicht davon ab, wie lange Sie schlafen. Die maximale Schlafdauer bei Erwachsenen beträgt ca. 8 Stunden und nimmt mit dem Alter sogar weiter ab (ca. 6 Stunden ab 70 Jahren).

Viel wichtiger aber ist, wie gut Sie tatsächlich schlafen. Ihre Schlafqualität können Sie mit einer gesunden Schlafhygiene erhöhen. Diese setzt sich aus verschiedenen Verhaltensregeln und Entspannungstechniken zusammen.

Sorgen Sie für eine schlaffördernde Atmosphäre

  • Im Schlafzimmer sollte eine angenehm kühle Temperatur herrschen (18–19°C)
  • Reduzieren Sie Licht und Geräusche auf ein Minimum
  • Vermeiden Sie zusätzliche Lichtreize, sobald Sie im Bett liegen. Vor allem blaues Licht wirkt stimulierend. Smartphone, Laptop, Fernseher und das Lesen eines Buches im Bett verlängern das Einschlafen

Trainieren Sie Ihren Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Führen Sie feste Schlafens- und Aufstehzeiten ein.
  • Stehen Sie immer, unabhängig von der Schlafdauer, zur selben Uhrzeit auf (auch am Wochenende und im Urlaub).
  • Stehen Sie wieder auf, falls Sie nach 15 Minuten immer noch nicht eingeschlafen sind. Sollten Sie nachts aufwachen, sehen Sie nicht auf die Uhr.
  • Halten Sie tagsüber nur kurz Mittagsschlaf (max. 30 Minuten).

Ernährungstipps für einen gesunden Schlaf

  • Trinken Sie nach 16 Uhr keine koffeinhaltigen Getränke (z.B. Kaffee, Cola, schwarzer oder grüner Tee).
  • Alkohol wirkt zwar schlafanstoßend, sorgt aber für einen nicht erholsamen Schlaf. Trinken Sie deshalb keinen Alkohol vor dem Einschlafen.
  • Ein leicht verdauliches Abendessen sorgt für eine erholsame Nacht. Auf scharf-gewürzte oder fettreiche Speisen, säurehaltige Lebensmittel und zu viel Zucker sollten Sie abends besser verzichten.
  • Gehen Sie immer satt zu Bett – Hunger signalisiert dem Körper wach zu bleiben.
  • Lavendelblüten in Form von Tee oder ein paar Tropfen Lavendelöl neben Ihrem Kopfkissen können Ihnen beim Einschlafen helfen.

Auf die Abendgestaltung kommt es an

  • Tägliche Bewegung, z.B. leichtes Training am Nachmittag oder ein Abendspaziergang, hilft Ihnen dabei den Tag ruhig ausklingen zu lassen. Warum regelmäßige Bewegung  sonst noch wichtig für Krebspatienten ist, erfahren Sie hier: Krebs und Sport - passt das zusammen?
  • Yoga, Tai-Chi oder Qi Gong am Abend sorgen für Entspannung und Gelassenheit
  • Verbringen Sie die Zeit vor dem Zubettgehen mit einer regelmäßigen Abendbeschäftigung. Durch solche Einschlafrituale (Musik hören, Lesen, Schlaftee zubereiten) kommen Sie besser zur Ruhe

Tipp: Führen Sie ein Schlaftagebuch

Mithilfe eines Schlaftagebuchs können Sie leicht Verbesserungen in Ihrem Schlafverhalten sichtbar machen und festhalten.

Ein weiterer Vorteil: Im Tagebuch können Sie neben Ihren Schlafgewohnheiten (Wann gehe ich zu Bett? Wann stehe ich auf?) auch weitere Informationen notieren (Warum wache ich auf? Wie fühle ich mich am Abend? Wie fühle ich mich tagsüber? Habe ich gut geschlafen?). Dadurch können Sie und Ihr Arzt einfacher die Ursachen der Schlafstörungen entdecken und die richtige Therapie für Sie auswählen.

Hier können Sie sich eine Vorlage für Ihr persönliches Schlaftagebuch herunterladen:
Schlaftagebuch (PDF)


Quellenangaben

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