Typische Probleme: Trockene, juckende Haut und Wundrose

Das Lymphödem selbst, aber auch die Lymphdrainage sind eine große Belastung für die Haut. Durch das ständige Tragen von Kompressionsverbänden kann sie zusätzlich austrocknen und zu jucken beginnen. Trockene Haut wiederum begünstigt Risse, die Bakterien als Eintrittspforte dienen. Schon kleine Verletzungen können so für Patienten zum Problem werden und die Entstehung von Infektionen begünstigen (zum Beispiel Wundrose). Zur Prävention ist eine gute Hautpflege daher unerlässlich.

Was ist eigentlich Wundrose?
Wundrose (Erysipel) bezeichnet flammenförmige, scharf begrenzte Rötungen auf Beinen oder Gesicht, die durch Bakterien hervorgerufen werden. Sie gehen oft mit einem Anschwellen der Lymphknoten, Hautspannungen und Schmerzen einher. Auch Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit sowie Kopf- und Gelenkschmerzen können hinzukommen.

Bausteine einer optimalen Hautpflege

Reinigung

  • Keine Seifen!
  • Waschlotionen mit leicht saurem pH (4,5-5)
  • Duschöle mit rückfettenden Inhaltsstoffen
  • Danach: Gründlich abtrocknen! 

 

   

Pflege

  • Feuchtigkeitsspendende, rückfettende Cremes oder Lotionen
  • PH-neutrale und parfümfreie Cremes oder Lotionen
  • Geeignete Zusätze: Harnstoff 5 bis 10 %, Sheabutter, Ceramide, Linolsäure, Aloe vera, Allantoin, Milchsäure, Öle wie Mandelöl, Erdnussöl

Wundbehandlung

  • Wunden und Hautrisse so schnell wie möglich desinfizieren
  • Anschließend betroffene Stellen antimikrobiell behandeln mit: Octenidin oder Clioquinol
  • Entnahme von Blut oder Injektionen soweit möglich vermeiden

 

Hautreinigung bei Lymphödem

Seifen haben einen alkalischen pH-Wert von etwa 10 bis 11. Sie greifen den Säureschutzmantel unserer Haut an und entziehen ihr Fett. Eine gesunde Haut kann dies schnell ausgleichen, nicht aber eine trockene beziehungsweise geschädigte Haut. Daher eignen sich zur Reinigung milde, seifenfreie Waschlotionen mit leicht saurem pH-Wert. Zum Duschen können Duschöle mit rückfettenden Inhaltsstoffen hilfreich sein.

Achtung! Nach der Reinigung sollte das Abtrocknen nicht vergessen werden. Feuchte Stellen bieten ein ideales Milieu für Pilze und Bakterien (zum Beispiel Finger- und Zehenzwischenräume oder Achselhöhlen). Daher sollten Patienten hierauf ein besonderes Augenmerk legen. Eine Desinfektion der Haut kann zu diesem Zweck sinnvoll sein.

Hautpflege bei Lymphödem

Da das Eincremen den Lymphfluss anregt, die Haut pflegt und Patienten problematische Stellen auf diese Weise gut im Blick haben, ist tägliches Eincremen bei Lymphödem Pflicht. Idealerweise sollten Reinigung und Pflege zweimal täglich durchgeführt werden, am besten morgens und abends nach dem Abnehmen der Kompressionsverbände – das gilt natürlich nur für Patienten, die keine Nachtversorgung benötigen.

Eine wichtige Grundregel für die Wahl der richtigen Pflege ist, dass sie an den Zustand der Haut sowie an den Tageszeitpunkt angepasst seinsollte. Das heißt: Bei trockener Haut werden am besten Cremes mit erhöhtem Fettgehalt (W/O-Emulsionen mit geringem Wasseranteil) oder Lipolotionen verwendet. Ist die Haut nicht trocken, steht die Hydratisierung im Vordergrund. Dazu werden Lotionen mit höherem Wasseranteil und Feuchthaltemittel verwendet. Geeignete Inhaltsstoffe entnehmen Sie der Tabelle oben. Nutzen Sie schnell einziehende, leichtere Cremes morgens und reichhaltigere am Abend. Besondere Vorsicht ist außerdem angezeigt, wenn es um die Maniküre und Pediküre geht. Bei eingewachsenen Zehennägeln oder anderen Problematiken empfehlen wir Ihnen den Besuch einer Podologin / eines Podologen.

Achtung! Manche rückfettenden Produkte enthalten allergieauslösende Inhaltsstoffe wie Lanolin. Bestandteile wie Mineralfette bilden einen Film auf der Haut, der die Poren verstopfen kann. Produkte mit ätherischen Ölen können zu Hautreizungen führen. Diese Inhaltsstoffe sind daher vorsichtshalber zu meiden.

Geeignete Produkte

Bei der Wahl der Pflegeprodukte gilt: So wenig Inhaltsstoffe wie nötig, um allergische Reaktionen zu vermeiden, und so viel feuchtigkeitsspendende Wirkstoffe wie möglich. Besonders vor dem Anlegen von Kompressionsstrümpfen eigenen sich feuchtigkeitsspendende Schäume und Lotionen. Sie ziehen schnell ein, lindern Spannungsgefühle und sind mit Gestrick und Haftbändern verträglich.

Beispiele für Lotionen:

Zusätzlicher Produkt-Tipp:

  • Compressana Tonikum Spray – erfrischt und kann Durchblutung und Mikrozirkulation verbessern. Kann direkt auf die Strümpfe gesprüht werden.

Für die tägliche Pflege stehen parfümfreie Serien mit Harnstoffzusatz von Firmen wie Sebamed, Allergika oder Eubos zur Verfügung:

Dieselben Firmen bieten auch entsprechende Reinigungsprodukte an:

Bei auftretendem Juckreiz empfehlen wir:

  • Compressana Vlies: Das im Pflegetuch enthaltene Fluid schützt sensible Haut vor Reizungen, lindert Juckreiz, spendet Feuchtigkeit und entfernt Hautschuppen. Hautirritationen wird vorgebeugt. Es sorgt außerdem für einen besseren Halt und Sitz von Stütz- und Kompressionsstrümpfen und beugt Rutschen vor.
  • Compressana Hydro Lotion: Akutpflege bei Juckreiz und zum Schutz vor Irritationen

Zusätzliche Tipps

Das Motto „Viel hilft viel“ gilt nicht bei der Lymphödem-Hautpflege. Pflegeprodukte sollten im Allgemeinen sparsam und sanft in Richtung des Körpers einmassiert werden, um den Lymphabfluss zu fördern. Kompressionsstrümpfe werden am besten täglich gewaschen, da sich Hautschuppen im Gestrick ansammeln. Deshalb gilt: Waschen mit der Innenseite nach außen – mit Wäschenetz ist das auch bei maximal 40 Grad Celsius mit Feinwaschmittel in der Waschmaschine möglich. Zusätzlich sollten Patienten bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen und draußen nicht barfuß laufen, um Wunden vorzubeugen.


Quellenangaben (Stand 25.10.2021)

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