Fatigue – wenn die Müdigkeit nicht mehr aufhört


Was ist Fatigue?

Krebspatienten fühlen sich häufig körperlich und geistig völlig erschöpft und kraftlos. Dieses Gefühl kann auch noch lange nach der Therapie anhalten.

Eine derartige erschöpfende Müdigkeit hat einen eigenen Namen: Fatigue (ausgesprochen: fatieg).

Müdigkeit kennen natürlich auch gesunde Menschen z.B. nach dem Sport. Allerdings sind diese nach einer Pause wieder fit.

Krebs- oder Tumorpatienten dagegen hilft dies nicht. Trotz immer längerer Pausen und Ruhephasen fühlen sie eine lähmende Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Abgeschlagenheit. Selbst kleinere, tägliche Anstrengungen fallen ihnen schwer.

Dabei können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein:

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis (Schlaf wird als nicht erholsam wahrgenommen)
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwächegefühl
  • Antriebslosigkeit (Gefühl, den Alltag nicht bewältigen zu können bzw. sich zu jeder Aktivität zwingen zu müssen)
  • Niedergeschlagenheit, Frustration, Reizbarkeit
  • Nach Anstrengungen mehrere Stunden andauerndes Unwohlsein.

Wenn diese Beschwerden häufiger oder über längere Zeit auftreten, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt darauf hinweisen!

Ursachen

Einige Ursachen sind noch unbekannt. Erst vor ca. 10 Jahren hat man angefangen, die Fatigue zu untersuchen. Allerdings ist bekannt, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen: Es ist das Zusammenspiel aus körperlichen, psychischen und sozialen Komponenten.

Fatigue ist manchmal das erste Symptom einer Krebserkrankung. Plötzlich ist man nicht mehr leistungsfähig. Tumorzellen wachsen schneller als gesunde Zellen, deshalb brauchen sie viel mehr Energie zum Wachsen. Gleichzeitig reagiert das Immunsystem darauf. Diese Kombination schwächt unseren Körper.

Natürlich kann Fatigue auch erst während einer Krebsbehandlung entstehen. Chemotherapien, Bestrahlungen und andere Medikamente schwächen den Körper zusätzlich.

Folgende Ursachen können in Kombination oder auch alleine eine Fatigue auslösen:

  • Krebserkrankungen
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie
  • Immuntherapie
  • Operationen
  • Anämie (Blutarmut)
  • Abnahme der Muskelmasse
  • Depressionen
  • Medikamente
  • Mangelernährung und Gewichtsverlust
  • Schlafstörungen
  • Chronische Schmerzen
  • Soziale Faktoren
Die Chemotherapie ist eine von mehreren möglichen Ursachen für die Fatigue

Therapiemöglichkeiten

Die heutige Behandlung beruht hauptsächlich auf drei Therapieansätzen: der psychoonkologischen Unterstützung, der Bewegungstherapie und gegebenenfalls einer medikamentösen Therapie.

Welche Therapie für Sie am besten geeignet ist, wird Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen entscheiden.

Psychoonkologische Unterstützung:

Viele Patienten leiden sehr unter Ihrer Diagnose und den kräftezehrenden Therapien. Je nach Bedarf und Krankheitsphase können verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden.

Eine Psychotherapie kann Ihnen dabei helfen mit den seelischen Belastungen besser umzugehen, Ihre Aktivitäten zu sortieren und zu priorisieren.

Neuropsychologen können Ihnen mit spezifischen Übungen bei beispielsweise Konzentrations- und Gedächtnisproblemen helfen.
Zudem kann der Austausch mit Betroffenen durch einen Besuch von Selbsthilfegruppen sehr unterstützend sein.

Sport:

Körperliche Aktivität kann in vielen Fällen Fatigue positiv beeinflussen und mindern.

Welche Sportart für Sie geeignet ist, können Sie auch mit Ihrem Arzt absprechen. Bewegungsdauer und –intensität sollten Ihrer aktuellen Situation angepasst sein.

Mögliche Sportarten wären zum Beispiel Gehen, Walken, Rad fahren, Schwimmen. Ballsportarten oder auch das gezielte Muskeltraining im Fitnessstudio sind denkbar. Wichtig ist, dass Sie sich nicht zu viel zumuten und es sollte natürlich Spaß machen.

In vielen Städten gibt es in Sportvereinen gezielte Angebote für Krebspatienten. Beispielsweise leitet unsere sehr engagierte ABF – Kollegin Elke Baier die Trotz-Krebs-Sportgruppe in Fürth (bei Interesse melden Sie sich bei Frau Baier unter: 0911 9772315).

Flyer Trotz-Krebs-Sportgruppe (PDF)

Medikamente:

Häufig ist eine Anämie, also eine Blutarmut mit Ursache einer akuten Erschöpfung. Das kann Ihr Arzt durch eine Blutabnahme feststellen.

Aber auch weitere, neu aufgetretene Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen, können eine Fatigue begünstigen.

Die Behandlung der Anämie erfolgt durch subkutan (unter die Haut) verabreichtes Erythropoetin (regt im Knochenmarkt die Produktion von Erythrozyten an) oder gegebenenfalls einer Bluttransfusion.

Körperliche Aktivität wirkt sich in vielen Fällen positiv auf die Fatigue aus

Zusätzliche Tipps für Ihr Wohlbefinden


Gesunde Ernährung:

Die Nahrungsaufnahme kann wegen der Erkrankung und/oder Behandlung eingeschränkt sein. Deshalb kann eine Ergänzung mit hochkalorischer Nahrung, Vitaminen oder Mineralien sinnvoll sein.

Sprechen Sie Ihren Arzt oder uns, Ihre Apotheker der ABF bezüglich einer individuellen Ernährungsberatung an. Gerne können Sie sich mit Ihren Fragen direkt per Chat an uns wenden. Alternativ erreichen Sie uns auch telefonisch, unter 0911 97723259 oder per E-Mail.

Ihre Ernährung sollte abwechslungsreich sein und Ihnen schmecken!

Allein eine gesunde Ernährung ist jedoch keine Therapie gegen Fatigue, sondern kann nur ein Baustein sein.
Hier können Sie sich über gesunde Ernährung informieren: www.5amTag.de

Schlafen:

Ein regelmäßiger erholsamer Schlaf kann Ihre Beschwerden reduzieren. Achten sie deshalb auf regelmäßige Bettgehzeiten (auch am Wochenende) und beschränken Sie „Nickerchen“ tagsüber auf 1 Stunde. Auch Entspannungsverfahren können Ihnen helfen, Ruhephasen besser zu nutzen.

Nehmen Sie sich bewusst Zeit für schöne Aktivitäten: Kino, Musik hören, spazieren gehen oder sich mit Menschen umgeben, die Ihnen gut tun – sei es mit der Familie, guten Freunden oder selbst Betroffenen in Selbsthilfe- oder Sportgruppen.


Tipp: Führen Sie ein Schlaftagebuch

Mithilfe eines Schlaftagebuchs können Sie leicht Verbesserungen in Ihrem Schlafverhalten sichtbar machen und festhalten. Ein weiterer Vorteil: Im Tagebuch können Sie neben Ihren Schlafgewohnheiten (Wann gehe ich zu Bett? Wann stehe ich auf?) auch weitere Informationen notieren (Warum wache ich auf? Wie fühle ich mich am Abend? Wie fühle ich mich tagsüber? Habe ich gut geschlafen?). Dadurch können Sie und Ihr Arzt einfacher die Ursachen der Schlafstörungen entdecken.

TIPP: Hier können Sie sich eine Vorlage für Ihr persönliches Schlaftagebuch herunterladen:
Schlaftagebuch (PDF)


Falls Sie die für sich notwendigen Ansprechpartner noch nicht gefunden haben, wenden Sie sich an Ihre onkologische Praxis oder nehmen Sie zu uns Kontakt auf. Wir unterstützen Sie gerne.


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