Hormonveränderungen durch eine Krebstherapie
- bei Männern und Frauen

 

Hormonveränderungen, die durch eine Tumortherapie ausgelöst werden, können eine ganze Reihe an unerwünschten Nebenwirkungen bewirken.

Welches diese sind, sowie Anregungen und Tipps, wie Sie selbst zur Linderung der Symptome beitragen können, finden Sie in diesem Artikel:

  1. Wie und warum verändert eine Krebstherapie den Hormonhaushalt?
     
  2. Welche hormonverändernden Wirkstoffe kommen bei der Therapie beispielsweise zum Einsatz?
     
  3. Tipps zur selbstständigen Linderung von Nebenwirkungen
    - Hitzewallungen
    - Trockene Schleimhäute
    - Infektionen im Vaginalbereich
    - Muskelabbau und Gewichtszunahme
    - Osteoporose
    - Gedächtnisstörungen



Wie kann eine Krebstherapie den Hormonhaushalt verändern?

Hormone sind Botenstoffe des Körpers, die verschiedenen Stoffwechselwege in Gang bringen. Sie benötigen Rezeptoren, also Andockstellen auf Zelloberflächen um ihre Wirkung entfalten zu können.

Dies geschieht wie ein Schlüssel, der nur in ein bestimmtes Schloss passt. Bei bestimmten Krebsarten gibt es eben diese Rezeptoren auf der Zelloberfläche. Ein Andocken von beispielsweise Östrogen auf einer Krebszelle in der Brust, oder Testosteron auf einer Krebszelle der Prostata regt die Zelle zum Wachstum und zur Teilung an.

Um dies zu verhindern kommen bei hormonabhängigen (durch Hormone wachsenden) Tumoren häufig Antihormone, oder Wirkstoffe, die einen Einfluss auf den Hormonspiegel des Körpers haben, zum Einsatz.

Rezeptor
Hormone brauchen Rezeptoren zum "Andocken" - auch auf Krebszellen!
  • Beispielsweise bindet Tamoxifen oder Fulvestrant an den Östrogenrezeptor und blockiert ihn dadurch. Ein wichtiges Antiandrogen, welches bei Prostatakrebs eingesetzt wird, ist beispielsweise Flutamid.
  • Anastrozol, Letrozol und Exemestan unterbinden die körpereigene Produktion von Östrogen und senken dadurch den eigenen Östrogenspiegel ab. Analog hemmt der Wirkstoff Abirateron die Produktion von Testosteron.
  • Leuprorelin, Buserelin und Goserelin senken den Testosteron, bzw. Östrogenspiegel ab indem sie dem Körper signalisieren es wäre schon genug vorhanden. Durch die Absenkung des Östrogen-, Testosteronspiegels oder der Blockade der Rezeptoren kann der betreffende Tumor in seinem Wachstum gebremst werden.

Die Medikamente wirken nicht nur an dem Tumor selbst, sondern entfalten ihre antihormonelle Wirkung im ganzen Körper. Durch das Fehlen der Hormone zeigen sich Nebenwirkungen, die den Beschwerden in den Wechseljahren gleich sind, bzw. ähneln. Diese Symptome treten sowohl bei Männern als auch bei Frauen im Rahmen der entsprechenden Behandlung auf.

Es kann zu Hitzewallungen und Schweißausbrüchen kommen. Schlafstörungen, Gelenkschmerzen und eine Trockenheit der Schleimhäute und der Haut, sowie Herzklopfen und –rasen gehören ebenso zu der Liste der Nebenwirkungen, wie Angst, Reizbarkeit, Müdigkeit und Depression.

Wir möchten Ihnen verschiedene Tipps mit auf den Weg geben, wie Sie sich selbst Linderung verschaffen können.




Tipps bei Hormonentzug und Wechseljahres-Beschwerden

Es gibt verschiedene Nebenwirkungen, die ausschließlich durch Ihren Arzt behandelt werden sollten. Dazu gehören auftretende Potenzstörungen, Libido-Verlust oder ein Brustwachstum beim Mann (Gynäkomastie).

Darüber hinaus gibt es auch Nebenwirkungen, bei deren Auftreten Sie selbst etwas zur Linderung beitragen können. Diese möchten wir gerne aufzeigen:

Hitzewallungen

Ventilator bei Hitzewallungen
  • Trinken Sie genug, um den Flüssigkeitsverlust durch die Schweißausbrüche auszugleichen
  • Achten Sie darauf ob bestimmte Nahrungsmittel die Beschwerden verstärken (wie beispielsweise Kaffee oder Alkohol) und meiden Sie diese
  • Nutzen Sie Salbei in Form von Tee oder hochdosierten Präparaten (wie beispielsweise Sweatosan®).
  • Aus dem pflanzlichen Bereich gibt es einige Präparate für den Einsatz bei Patienten, die unter keiner hormonabhängigen Krebserkrankung leiden. Dazu gehören Rotklee-, Traubensilberkerzen- oder auch Sojapräparate.
    Überwiegend wird die Wirkung durch einen hormonähnlichen Effekt im Körper ausgelöst.
    Bei einem Tumor, der durch Hormone zum Wachsen angeregt wird, muss hier der Einsatz individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen und Nutzen und Risiken abgewogen werden.

Trockene Schleimhäute

Augentropfen bei trockenen Schleimhäuten

Sinkt der Östrogenspiegel werden die Schleimhäute schlechter durchblutet. Das kann dazu führen, dass beispielsweise die Vaginalschleimhaut sich trocken anfühlt, juckt oder brennt. Auch die Augen und die Nasenschleimhaut können betroffen sein.

  • Nutzen Sie für den Vaginalbereich Feuchtcremes, wie beispielsweise Remifemin® FeuchtCreme, Multi-Gyn® LiquiGel, Vagisan® Feuchtcreme und Intimwaschlotionen wie beispielsweise Sagella® poligyn, Vagisan® Intimwaschlotion, Multi-Gyn® FemiWash.  
  • Bei trockenen Augen schaffen Tränenersatzpräparate mit Hyaluronsäure, Cellulosederivaten, Polyvinylpyrrolidon (Povidon) oder Carbomeren Abhilfe. Ebenso wirken Präparate wie beispielsweise Optive® Plus Augentropfen durch eine Stabilisierung des Lipidfilms auf dem Auge.

Wiederkehrende Infektionen im Vaginalbereich

Wiederkehrende Infektionen im Vaginalbereich

Dies ist ein Thema unter dem viele Frauen zusätzlich leiden.

  • Akute Infektionen bitte immer ärztlich abklären!
  • Präventiv lässt sich das Scheidenmilieu mit Hilfe von Laktobazillen (wie beispielsweise in Vagiflor®), Milchsäure (wie beispielsweise in Vagisan® Milchsäure) oder Vitamin C (wie beispielsweise in Vagi C®) verbessern.
    Hierbei handelt es sich um Scheidenzäpfchen oder Tabletten, die vor dem Zubettgehen eingeführt werden und über Nacht wirken.

Muskelabbau und Gewichtszunahme

Muskelabbau und Gewichtszunahme auf der Waage

Gerade beim Mann kann ein stark verminderter Testosteronspiegel Auswirkungen auf die Stoffwechsellage haben. Ebenso können die Medikamente, die bei Brustkrebs eingesetzt werden zu einer Gewichtszunahme führen.

  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
    Die besten Ergebnisse wurden mit einer ausgewogenen Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining erreicht.  

Osteoporose

Osteoporose durch Hormonveränderungen

Das Fehlen von Östrogen bzw. Testosteron kann zu einem erhöhten Verlust an Knochenmasse führen. Lesen Sie hierzu auch den Artikel: Osteoporose durch eine Krebstherapie.

  • Achten Sie auf eine gesunde, Calcium- und Vitamin-D reiche Ernährung
  • Lassen Sie Ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen und streben Sie den Normwert an
    (ziehen Sie bei niedrigem Wert ein zusätzliches Vitamin-D-Präparat bzw. eine Kombination aus Vitamin-D und Calcium in Betracht – sprechen Sie dieses bitte vor der Einnahme mit Ihrem behandelnden Arzt ab)
  • Bewegen Sie sich regelmäßig

Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen

Hormonelle Änderungen können unter anderem zu einer verminderten Konzentrationsfähigkeit führen. Hier ist es wichtig bei stärkerer Ausprägung oder Wortfindungsstörungen mit dem behandelnden Arzt in Kontakt zu bleiben.

  • Trainieren Sie Ihr Gedächtnis. Sprechen Sie laut mit sich und wiederholen Sie die Sätze. Das Hören regt Ihr Gehirn zusätzlich an.
  • Lösen Sie Rätsel, Sudokus oder spielen Sie Schach. Die Übungen sollten Ihnen dabei Spaß machen.
  • Nutzen Sie einen Marker oder Stift, wenn Sie einen Text lesen – dann bleiben Sie länger bei der Sache

Im Allgemeinen wirken sich Yoga, Entspannungstechniken und Stressmanagement positiv aus und können Ihre Beschwerden insgesamt erträglicher machen. So können Sie selbst etwas gegen die Auswirkungen eines veränderten Hormonhaushalts tun.

 

Sie haben Fragen zum Thema Hormonveränderungen und deren Auswirkungen und möchten sich gerne persönlich beraten lassen? Melden Sie sich gerne per E-Mail, Telefon oder Chat: Wir sind gerne für Sie da!


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