Komplementärmedizin in der Onkologie

Was ist erwiesenermaßen sinnvoll?

 

Es gibt mittlerweile eine beinahe unüberschaubare Anzahl an Methoden, die zusätzlich zur medikamentösen Tumortherapie, Bestrahlung oder auch Operation bei einer Krebstherapie angewendet werden können.

Doch welche davon sind empfehlenswert und wie können diese zu einer Linderung verschiedener Nebenwirkungen beitragen oder auch das eigene Befinden verbessern?


Inhaltsübersicht:
  1. Was versteht man unter Komplementärmedizin?
  2. Methoden zur Unterstützung bei einer Operation
  3. Unterstützung bei einer Bestrahlung
  4. Unterstützung bei einer Chemotherapie
  5. Unterstützung bei der Einnahme von Hormonen oder einer Behandlung mit Antihormonen
  6. Komplementäre Möglichkeiten in der Nachsorge

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Was versteht man unter Komplementärmedizin?

Komplementärmedizin oder komplementäre Behandlungsmethoden  – diese Begriffe werden häufig verwendet. Doch was verbirgt sich konkret dahinter?

Bei einer komplementären Therapie werden verschiedene, für die jeweilige Situation und den jeweiligen Patienten passende Methoden oder Präparate mit einer konventionellen Therapie, wie Operation, Bestrahlung und Chemotherapie kombiniert.

Im Gegensatz dazu steht die Alternativmedizin, die eine alleinige Behandlung mit – wie der Begriff schon aussagt – alternativen Methoden und Präparaten beinhaltet.

Durch zahlreiche Studien konnte keine Verbesserung des Zustands oder der Krebserkrankung durch eine alternative Behandlung, wohl aber durch einen gut ausgewählten komplementären Behandlungsansatz gezeigt werden.

Wir möchten Ihnen eine Auswahl eingesetzter Behandlungsmethoden vorstellen, die in Studien positive Ergebnisse erzielt haben.

Wichtig ist, dass Sie alle Maßnahmen, die Sie gerne ergreifen möchten mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Für eine individuelle pharmazeutische Beratung sprechen Sie uns gerne an. Wir sind für Sie leicht erreichbar. Melden Sie sich einfach per Telefon, E-Mail oder Chat.  




Methoden zur Unterstützung bei einer Operation

Bei vielen Tumoren ist das Entfernen des erkrankten Gewebes nach wie vor eine der wichtigsten Maßnahmen. Komplementäre Behandlungsmethoden sollen Beschwerden, die durch eine Operation ausgelöst werden, wie Schwellungen und Schmerzen lindern.


Zum Einsatz kommen beispielsweise bestimmte Enzyme:

  • Bromelain, das Enzym aus der Ananas,
  • Papain aus der Papaya, sowie
  • Trypsin und
  • Chymotrypsin.

Sie wirken entzündungshemmend und helfen gegen Schwellungen nach Operationen. Allerdings sollten sie auf Grund eines leichten blutverdünnenden Effekts vier Tage vor der Operation abgesetzt und erst nach Abschluss der Nachblutungsbeobachtung wieder eingenommen werden.

Die Enzyme werden in Form von Kapseln oder Tabletten eingenommen – idealerweise etwa eine Stunde vor einer Mahlzeit. So kann die beste Wirkung erzielt werden.




Unterstützung bei einer Bestrahlung

Bei einer Bestrahlung wird die Haut im bestrahlten Bereich einer großen Belastung ausgesetzt. Hier ist es wichtig das sehr empfindliche Bestrahlungsareal von Anfang an mit geeigneten Pflegemaßnahmen zu behandeln.

Sie finden im Apothekensortiment zum einen medizinische Pflege, die speziell für die bestrahlte Haut entwickelt wurde.

Medizinischer Honig

Zum anderen kann ebenso medizinischer Honig verwendet werden.
Dieser enthält Methylglyoxal, welches antibakteriell wirkt.

Der medizinische Honig wird auf die Haut aufgetragen und mit einer Mullkompresse abgedeckt. Der Honig kann, ohne Druck auf die belastete Haut auszuüben, einfach mit lauwarmen Wasser wieder abgewaschen werden.




Unterstützung bei einer Chemotherapie

Während der Chemotherapie kann die Verträglichkeit von Zytostatika durch komplementäre Methoden verbessert werden und Nebenwirkungen abgeschwächt oder in manchen Fällen auch verhindert werden.

Da es eine Vielzahl von unterstützenden Maßnahmen gibt, möchten wir Ihnen hier eine Auswahl vorstellen:

Das Lutschen von Eiswürfeln bei einer Bolus-Therapie mit 5FU kann das Auftreten einer Mundschleimhautentzündung abschwächen.

Durch die Kälte im Mundraum verengen sich die lokalen Blutgefäße, sodass  ein geringerer Anteil des Tumorwirkstoffs in der Schleimhaut ankommt.

Ebenso kann hier, neben häufigen Mundspülungen, eine Behandlung mit Honig erfolgen.

Zum Einsatz kommt dabei – im Gegensatz zur Wundbehandlung – qualitativ hochwertiger Honig, der zum Verzehr geeignet ist.

Hierfür wird 1g/kg Körpergewicht (entspricht beispielsweise 70g bei einem 70kg schweren Patienten) in vier Portionen aufgeteilt (ca. 15g) und über den Tag verteilt jeweils eine Minute im Mund gehalten und anschließend geschluckt.

Bewegung und Sport haben einen positiven Effekt auf das Fatigue-Syndrom, wirken einem Muskelabbau entgegen und können bei Schlafstörungen helfen.

Lesen Sie hierzu auch die Artikel Schlafstörungen bei Chemotherapie, Fatigue – Müdigkeit und Erschöpfung und Warum ist Bewegung für mich wichtig und richtig.

Vitamin D bei Chemotherapie

Ein Selen- und auch ein Vitamin D-Spiegel im Normbereich trägt zur besseren Verträglichkeit einer Chemotherapie bei. Hier gilt jedoch nicht je mehr, desto besser.

Lassen Sie daher Ihren Blutspiegel bestimmen und besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Ergänzung von Vitamin D und/ oder Selen sinnvoll ist.

Da Vitamin D in der Haut gebildet wird, empfehlen wir Ihnen ein Schattenbad bei angenehmen Temperaturen und die Aufnahme von fettem Seefisch in Ihren Ernährungsplan.

Massagen bei Krebs

Es konnte nachgewiesen werden, dass Massagen einen positiven Einfluss auf das Immunsystem und das Befinden der betroffenen Patienten haben. Teilnehmer der Untersuchung waren Brustkrebspatientinnen.

In unseren Augen sind Massagen, unabhängig der Erkrankung empfehlenswert, vorausgesetzt Sie können sich während der Massage gut entspannen und fühlen sich wohl.




Unterstützung bei der Einnahme von Hormonen oder einer Behandlung mit Antihormonen

Eine anschließende Therapie mit Medikamenten mit Hemmwirkung auf die Hormonbildung oder Hemmung der Hormonwirkung, ist bei einem Tumor, der durch Hormone zum Wachstum angeregt wird, Mittel der Wahl.

Die sogenannten Aromatasehemmer (Anastrozol, Letrozol oder Exemestan) und Rezeptorblocker (Tamoxifen) sollen so vor einem erneuten Wachstum schützen. Bei vielen Patienten kann es im Laufe der Behandlung jedoch zu Beschwerden kommen.

Hier stehen, neben den, durch die Therapie ausgelösten Wechseljahresbeschwerden, Gelenk- und Muskelschmerzen im Vordergrund. Einen positiven Effekt auf Gelenk- und Muskelschmerzen können eingenommene Enzyme (Bromelain, Papain) und ein gut eingestellter Vitamin D-Spiegel hervorrufen.

Lassen Sie Ihren Vitamin D-Spiegel vor einer Ergänzung des Vitamins, bestimmten. Der Normbereich liegt zwischen 35 und 60 ng/ml.

Hitzewallungen, ausgelöst durch beispielsweise eine Antihormontherapie, können durch Salbeiextrakte abgeschwächt werden. Hier sind hochkonzentrierte Extrakte in Form von Tabletten im Handel.

Auch die Einnahme von Selenpräparaten ist bei einem nachgewiesenen Mangelzustand sinnvoll. Der Selenspiegel sollte sich im Bereich von 110-130 µg/l befinden.  
 

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Komplementäre Möglichkeiten in der Nachsorge

Nach einer abgeschlossenen Behandlung gelten die allgemeinen Empfehlungen zur Krebsprävention:

Nachsorge Chemotherapie
  • Gesunde und ausgewogene Ernährung
  • Gewichtseinstellung im Idealbereich
  • Regelmäßige Bewegung
  • Einstellen des Vitamin D- und Selenspiegels im Normbereich
  • 2-3 Tassen grüner oder schwarzer Tee täglich (jeweils frisch aufgebrüht bei ca. 80°C)
  • Vermeiden von krebsauslösenden Substanzen (Angebranntes, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum)

Für eine individuelle Beratung und spezifische Fragen zum Thema Komplementärmedizin nehmen wir uns gerne Zeit für Sie.

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Quellen:

  • Unterlagen im Rahmen der Kammer-Fortbildung “Betreuung onkologischer Patient”
  • Webinar der Apothekerkammer: Komplementäre und alternative Medizin in der Versorgung von Patienten mit Tumorerkrankungen von Frau Prof. Dr. med. J. Hübner